Uni-Tübingen

Poetik-Dozentur 2008

Kiran Nagarkar

Kiran Nagarkar wurde 1942 in Bombay geboren, wo er heute auch lebt. Er studierte englische Literatur am Ferguson College in Pune, arbeitete an der Universität, als Journalist und mehr als neun Jahre in der Werbebranche. Daneben verfaßte er Theaterstücke, Drehbücher und Romane. Nagarkar gilt als einer der bedeutendsten lebenden indischen Autoren, seine Bücher wurden in unzählige Sprachen übersetzt.
Seinen ersten Roman "Saat Sakkam Trechalis" (dt. "Sieben mal sechs ist dreiundvierzig") verfaßte Nagarkar in seiner ursprünglichen Muttersprache Marathi, die er allerdings, nach eigener Auskunft, "seit seinem siebten oder achten Lebensjahr" nicht mehr gesprochen hatte. Als das Buch 1974 erschien, löste dies einen Skandal aus - es galt als Brüskierung des etablierten englisch-indischen Kulturkomments.
Seinen zweiten Roman "Ravan & Eddie" (1994) begann Nagarkar ebenfalls auf Marathi, um den Roman dann doch auf Englisch zu schreiben. Dies wiederum wurde von indischen Nationalisten als Verrat empfunden. Nagarkar beschreibt in "Ravan & Eddie" die Kindheit zweier Jungen aus einer hinduistischen und christlichen Familie, die Nachbarn sind, aber dennoch in vollkommen getrennten Welten aufwachsen.
Nagarkar wird in der zweiten Vorlesung über die Gegensätze von Sprache, die von ihm sogenannten "Language Wars" sprechen. Für seinen Roman "Cuckold" (dt. "Krishnas Schatten"), der 1997 erschien, erhielt Nagarkar im Jahr 2000 den höchsten indischen Literaturpreis, den "Sahitya Akademi Award". Sein jüngster Roman "God's little soldier" (dt. "Gottes kleiner Krieger") erschien 2006, ein Buch "das ein Klassiker werden könnte" (druckfrisch, Denis Scheck). Nagarkars Roman handelt vom Extremismus und schildert die Geschichte des jungen Mannes Zia aus einer liberalen muslimischen Familie Bombays, der ein Attentat auf Salman Rushdie plant. Dieses mißlingt, der Protagonist erfährt verschiedene Wandlungen, am Ende wird er Waffenhändler und Börsenspekulant.

1. Vorlesung: "Cluesless: An Occasional Writer's Journey."
2. Vorlesung: "The Language Conflicts: The Politics and Hostilities between Englisch and the Regional Languages in India, or: Meditations on Neighbours, Traitors, Bilingual Writers, Outsiders, Indian Writers in English, 'Basha' Authors and the Common Man."
3. Vorlesung: "Shiva's Blue Throat: A Personal Vision of the Role of the Artist in the 21st Century."

Publikationen (in deutscher Sprache erschienen):
Sieben mal sechs ist dreiundvierzig (München: A1 2007).
Gottes kleiner Krieger (München: A1 2006).
Krishnas Schatten (Berlin: List 2004).
Ravan & Eddie (München: A1 2004)

 

 

 

Christoph Peters

Der zweite Poetik-Dozent ist der 1966 in Kalkar am Niederrhein geborene Christoph Peters. Nach dem Abitur am Bischöflichen Internatsgymnasium "Collegium Augustinianum Gaesdonck" studierte er Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Er arbeitete anschließend von 1995 bis 1999 als Fluggastkontrolleur am Frankfurter Flughafen.

Bereits 1996 veröffentlichte Peters seinen ersten Erzählungsband "Heinrich Grewents Arbeit und Liebe", der die Auflösung eines bürgerlichen Lebens beschreibt. Für seinen Roman "Stadt Land Fluß", der 1999 erschien, wurde Peters mit dem aspekte literaturpreis ausgezeichnet. Peters Roman thematisiert die Jugend und Kindheit auf dem Dorfe am Niederrhein, Verwandt-schaft, Familie und Verlust, er schreibt von Wünschen und deren Scheitern. Mit den im Jahre 2001 veröffentlichten Erzählungen vollzieht Peters eine Öffnung hin zu "fremden Orten" und Kulturen. In klarer Sprache, oft ironisch, beschreibt Peters Menschen auf der Suche, auf Reisen, bei der Auswanderung, die sie nach Afrika oder in den Nahen Osten führen.
Die Bewegung des Reisens wird auch im folgenden Roman "Das Tuch aus Nacht" (2003) wieder aufgenommen. Der Roman, dessen Schauplatz Istanbul ist, behandelt das Verhältnis von Wirklichkeitswahrnehmung und Wahnsinn und letztendlich die Fiktion selbst. Peters spielt mit Perspektiven, Haltungen, Meinungen. Sein neuester Roman, der 2006 erschienene "Ein Zimmer im Haus des Krieges", thematisiert den Terrorismus im Ägypten des Jahres 1993. Ähnlich wie Kiran Nagarkar in seinem Buch "Gottes kleiner Krieger" wendet sich dieser Roman dem extremistischem Terrorismus zu. Peters beschreibt eine Gruppe von islamistischen Fundamentalisten, die in Ägypten einen Anschlag planen, unter ihnen der zum Islam übergetretene Deutsche Jochen Abdallah Sawatzki. Peters stellt die Frage nach der Macht des Glaubens. Er selbst sagte von sich einmal, er sei in seiner Jugend ein "katholischer Fundamentalist" gewesen.

Vorlesung: "Fliegende Teppiche"

Publikationen:
Ein Zimmer im Haus des Kriegers (München: btb 2006)
Heinrich Grewents Arbeit und Liebe (MÜnchen: btb 2005)
Ein Tuch aus Nacht (München: btb 2003)
Kommen und gehen, manchmal bleiben (München: btb 2003)