Lange Gedichte atmen anders. Sie nehmen sich mehr Zeit ‒ nachzudenken, zu fragen, zu experimentieren, zu vertiefen. Sie können „Meditationen“ im Descartes’schen Sinn sein. In diesem Seminar wollen wir uns Zeit nehmen und versuchen, ein langes Gedicht zu schreiben. Aber wie komponiere und konzentriere, wie streue und setze ich Gedichte über einige oder sogar dutzende Seiten? Wir beleuchten Fragen nach Stilmitteln, Organisationsmöglichkeiten, narrativer und musikalischer Verdichtung, Dramaturgie, Recherche ... Anhand gemeinsamer Lektüre von langen Gedichten ‒ etwa von Gertrude Stein, Kurt Schwitters, Inger Christensen, Martina Hefter, Daniel Falb, Fiston Mwanza Mujila oder Frieda Paris ‒ und poetologischen Überlegungen tauschen wir uns im Gespräch über die besonderen Herausforderungen dieser Form aus. Neben Schreibzeiten wird es Einheiten geben, um den eigenen aktuellen Stand vorzutragen und in Textkritikrunden zu besprechen. Weil wir leider nur wenig Zeit haben, sollten alle schon eine Idee für ein eigenes langes Gedicht und Vorarbeiten ins Seminar mitbringen.
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