Uni-Tübingen

Aktuelle Publikationen

Neuerscheinungen

Identitäten und Handlungsmöglichkeiten von Kanonissen im 15. und 16. Jahrhundert

von Agnes Schormann

Verlagsinformation: Diese Publikation unter­sucht an der Schwelle zwischen Spät­mittelalter und früher Neu­zeit in Kanonissen­stiften lebende geistliche Frauen. Anhand von süd­deutschen Quellen werden die Identitäten und Handlungs­möglichkeiten dieser Chor­frauen unter­sucht und es wird gefragt, ob sich diese in der Be­drohung durch die Re­formation änderten. Dabei zeigt sich in den meisten Fällen, wie traditions­verhaftet die Stifts­damen auch in für sie schwierigen Situationen waren und dass sie ihren geistlichen Gemein­schaften treu blieben. Unter­sucht werden die theoretischen Konzepte anhand von unter­schiedlichsten Themen­gebieten, wie etwa der Kleidung der Chor­frauen, der Liturgie in den Stiften, aber auch den Beziehungen zu weltlichen Personen­gruppen und vielem mehr.

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Armer Adel in Preußen 1770–1830

von Chelion Begass

Verlagsinformation: Ruinierte Grund­besitzer, hungernde Steuer­beamte, arbeitende Frauen und kriminelle Tage­löhner am Existenz­minimum. Tausende Einzel­biografien adliger Personen und Familien zeugen von einer Lebens­wirklichkeit jenseits weit­läufigen Großgrund­besitzes, prächtiger Schlösser und erfolgreicher Offiziers­karrieren. Wie diese Unter­suchung erstmals systematisch anhand neu gesichteter Quellen nachweist, war Armut im Adel Preußens um 1800 weit verbreitet und strukturell bedingt. Sie nahm seit dem ausgehenden 18. Jahr­hundert deutlich zu, wanderte vermehrt vom Land in die Städte und veränderte mit der Heraus­bildung eines versorgungs­abhängigen Dienst­adels ihre Ausdrucks­formen. Die schleichende Trans­formation der Lebens­grundlagen des Adels bedrohte nicht nur seine innere Kohäsion, sondern stellte den Führungs­anspruch des gesamten Standes in Frage und zeitigte damit weit­reichende Folgen für die deutsche Politik und Gesell­schaft auf ihrem Weg in die Moderne.

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Bedrohliche Aufklärung – Umkämpfte Reformen. Innerösterreich im josephinischen Jahrzehnt 1780–1790

von Dennis Schmidt

Verlagsinformation: Der Beginn der Allein­regierung Josephs II. im Jahr 1780 markiert in der Geschichte der Habsburger­monarchie einen wichtigen Punkt. In schneller Folge kam es zu spektakulären Re­formen, mit denen die Auf­klärung nun auch in den Ländern der Habs­burger zum Durch­bruch zu kommen schien – eine Ver­heißung für die einen, eine Be­drohung für die anderen. In besonderem Maße waren kirch­liche Insti­tutionen und religiöse Praktiken davon betroffen. Sie wurden neu verhandelt, verändert und verboten. Das blieb nicht ohne Folgen: Es entwickelten sich heftige Kontro­versen und teils sogar gewalt­tätige Konflikte. Die damit ver­bundenen Dynamiken er­schließen sich um­fassend erst beim Blick auf die Reform­praxis vor Ort, abseits der rein Wiener Perspektive.
In dieser Unter­suchung steht deshalb mit Inner­österreich ein Zwischen­raum – weder wirklich Zentrum, noch Peripherie – im Blickpunkt. Als Ebene zwischen der Gesamt­monarchie und den einzelnen Ländern etablierte Joseph II. administrativ das Gubernium „Inner­österreich“, das die Herzog­tümer Steier­mark, Kärnten und Krain umfasste. Es entfaltete sich dort beispiel­haft eine facetten­reiche wechsel­seitige Bedrohungs­kommunikation auf ganz verschiedenen Ebenen: in der Publizistik, bei den Bischöfen, dem Ordens­klerus, den Pfarrern und den vielen be­troffenen Mensch­en in den Dörfern, Märkten und Städten. Auf Basis der räumlichen Konzentration auf Inner­österreich und dem me­thodischen Zugang über die Bedrohungs­kommunikation stellen sich sowohl der vermeintlich defensive Charakter der Re­formen als auch das immer wieder apostrophierte Scheitern Josephs II. differenzierter dar.

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Unsicheres Ordnen Lawinenabwehr, Galtür 1884–2014

von Jan Hinrichsen

Was haben Ordner mit Lawinen­katastrophen, Katastroph­en mit Ordnung­en zu tun? In dieser historisch-ethnografischen Studie beschreibt Jan Hinrichsen, wie sich Wissen und Katastrophe, Archiv und Krise, Ordnung und Be­drohung zueinander verhalten. Die Ordner, deren Rücken dieses Buch zieren, ordnen Un­sicheres und öffnen den Blick auf das Ordnen als verwund­bare Praktik und Praktik der Verwund­barkeit. Jan Hinrichsen breitet mit wissens­anthropologischem Blick aus, wie sich die Lawine von Galtür 1999 in das Archiv einschreibt und wie dieses Archiv die Katastrophe schreibt. Er analysiert Sicherheits­technologien zur Abwehr von Natur­gefahren in der Tiroler Gemeinde und versteht sie als Assemblagen von Dis­kursen, Praktiken und Dingen. In dieser Genealogie der Unsicher­heit wird ersichtlich, wie die Lawinen­katastrophe aus jenen Wissens­ordnungen hervorgeht, die sie zeitgleich schlag­artig in Frage stellt.

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Vulnerabilität: Diskurse und Vorstellungen vom Frühmittelalter bis ins 18. Jahrhundert

La vulnérabilité: Discours et représentations du Moyen-Âge aux siècles classiques

Hrsg. von Cécile Lignereux, Stéphane Macé, Steffen Patzold & Klaus Ridder

Von ihren An­fängen her ist die Vulnerabilitäts­forschung stark durch eine gegenwarts- und anwendungs­bezogene Orientierung geprägt. Die historisch arbeitenden Disziplinen haben das analytische Potential der verschiedenen Vulnerabilitäts­konzepte dagegen bisher kaum erprobt. Die geschichts­wissenschaftlichen, literar­historischen und rhetorischen Beiträge des Bandes fragen danach, was eine solche Perspektive zum Verständnis von kulturellen und sozialen Strukturen und Praktiken beizutragen vermag. Ausgangs­punkt ist das Forschungs­konzept des Tübinger Sonder­forschungs­bereichs 923 'Bedrohte Ordnungen'. Vor dem Hinter­grund dieses Konzepts reflektieren die 28 Aufsätze in deutscher und französischer Sprache beispiels­weise Über­gänge von einer vulnerablen zu einer bedrohten Ordnung oder rhetorisch-performative bzw. ästhetisch-literarische Besonder­heiten von Bedrohungs­kommunikation.

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Predigtmodi im frühneuzeitlichen Katholizismus

Die volkssprachliche Verkündigung von Leonhard Haller und Georg Scherer in Zeiten von Bedrohungen (1500–1605)

Joachim Werz

Verlagsinformation: "Wie wurde im Katholizis­mus des 16. Jahr­hunderts gepredigt? Noch dazu, wenn die Pre­diger religiöse, soziale oder gesell­schaftliche Be­drohungen in ihrem jeweiligen Lebens­raum wahrnahmen und in ihren Predigten von der Kanzel sowie in schrift­licher Form kommunizierten?
Anhand der volks­sprachlichen Ver­kündigung des Eich­stätter Weih­bischofs Leonhard Haller (* 1500; † 1570) und des Jesuiten Georg Scherer (* 1540; † 1605) werden in dieser Studie exemplarisch Predigt­modi mit ihren Strategien und Zielen angesichts ver­schiedener Be­drohungen analysiert. Durch die bio­graphische und homiletische Analyse der beiden Pre­diger entsteht ein theologie-, liturgie- und sozialgeschichtliches Panorama, das Ein­blicke in die verschiedenen Phasen des vortridentin­ischen und konfessionell-katholischen Um­gangs mit den Heraus­forderungen der Reformation gibt. Dabei entsteht ein kontrast­reiches Bild, wie die gesell­schaftlichen, sozialen und politischen Be­drohungen von den beiden Predigern wahr­genommen wurden. Dadurch wird die Trans­formation homiletischer Praxis im früh­neuzeit­lichen Katholizismus greifbar, kann im Gesamt­gefüge nach­reformatorischer Kirchen­politik und Pastoral- und Liturgiegeschichte verortet werden und liefert einen spezifischen Beitrag zu gegen­wärtigen Debatten der Konfessionalisierungs­forschung."

Quelle: Aschendorff-Verlag

Katastrophen/Kultur. Beiträge zu einer interdisziplinären Begriffswerkstatt

Jan Hinrichsen, Reinhard Johler, Sandro Ratt (Hg.)

Katastrophen/Kultur: Antagonismus, Wechselbezug, Kompositum. Im vorliegenden Sammelband wird diesem
vielschichtigen Beziehungsgeflecht zunächst aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive nachgegangen. Dabei kristallisieren sich zentrale Begriffe heraus, die in einem zweiten Schritt selbst nach ihrem Gehalt und ihrer Reichweite befragt werden. Die daraus erwachsenen interdisziplinären Begriffsanalysen ermöglichen es, den eröffneten Denkraum zu vermessen, sie weisen zugleich aber über diesen hinaus und lassen sich letztlich auch in einem lexikalischen Sinne als einzelne geschlossene Abhandlungen lesen.

Mit Beiträgen von: Hermann Bausinger, Jan Hinrichsen, Kurt Imhof, Reinhard Johler, Hubert Knoblauch, Patrick
Kupper, Günther Prechter, Sandro Ratt, Monique Scheer und Bernhard Tschofen.

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Streit, Erzählung und Epoche

Deutschland und Frankreich um 1100

von Thomas Kohl

Mehr als die Zeit um den Jahrtausendwechsel waren die Jahrzehnte um 1100 eine entscheidende Wendephase in der europäischen Geschichte. Sie gingen im Westen Europas mit schweren Konflikten und Auseinandersetzungen auf allen Ebenen der feudalen Gesellschaft einher. Thomas Kohl untersucht in seiner quellenbewussten Studie diese Konflikte und Streitfälle,vom Kampf um ein bisschen Land über Kontroversen um den Rechtsstatus eines Klosters bis hin zu ganzen Bürgerkriegen. Es geht dabei um zwei historisch bedeutende Regionen, das Loire-Tal im Westen Frankreichs und den deutschen Südwesten. Wie wurden diese Konflikte hier und dort geführt? Warum eskalierten Auseinandersetzungen? Welche Rolle spielten Berichte und Erzählungen der Zeitgenossen? Der vergleichende Ansatz erlaubt es, eingefahrene Deutungen der Konflikte zu hinterfragen – in Deutschland wurden sie als Begleiterscheinungen des Investiturstreits verstanden, in Frankreich eher als Folge einer Feudalisierung – und so zu einem neuen, europäischen Bild dieser Wendeepoche zu gelangen.
 

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Affectedness And Participation In International Institutions

von Jan Sändig, Jochen von Bernstorff, Andreas Hasenclever

Affectedness and Participation in International Institutions looks at the growing involvement of affected persons in global politics, such as young climate activists, indigenous movements, and persons affected by HIV/AIDS.

Since the early 2000s, international organisations within various policy areas have increasingly recognised and involved affected persons’ organisations. This has promised to address long-standing legitimacy and democracy deficits of international policy making and norm setting. Yet, the powerful do not easily cede the terrain: Some major states, classic NGOs, and intergovernmental organisations seek to curtail the influence of the newcomers. The authors within this collection study these contestations from an interdisciplinary political science and international law perspective. Based on evidence from a broad range of policy areas, we address some of the crucial questions: What does it mean to be affected? How can affected groups meaningfully participate in international negotiations? Whose voices do still remain excluded? Ultimately, the authors chart whether the rising involvement of the 'most affected' will re-shape global politics and social struggles on the ground.

Taking a dual political science and international law perspective, Affectedness and Participation in International Institutions will be of great interest to scholars of civil society in global governance, international law, and international institutions. This book was originally published as a special issue of Third World Thematics.

Bedrohte Ordnungen geschichte für heute 3/2019

Bedrohte Ordnungen

Dennis Schmidt
Einführung in das Konzept „Bedrohte Ordnungen“

Georg Schild
Bedrohungswahrnehmung im Kalten Krieg
Die Entwicklung des Ost-West-Konflikts in amerikanischen Dokumenten

Andrea Kimmi-Bühler
Bedrohungskommunikationen im Kalten Krieg als Perspektive für den Geschichtsunterricht
Ein Forschungsansatz als Chance?

Impulse für den Geschichtsunterricht

Elisabeth Erdmann
Quellen im Geschichtsunterricht und „Fake News“

Corinna Link
Begriffe vergleichen – ein geschichtsdidaktisch geeigneter Ansatz für bilingualen Unterricht?
Ein begriffsgestützter Vergleich des deutschen und des englischen Imperialismuskonzepts

Forum

Uwe Walter
Heterogenität als Bildungsziel im Geschichtsunterricht zum Totalitarismus?
Ein Einwand

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Dynamics of Social Change and Perceptions of Threat

With contributions by:Anna Ananieva, Matthias Becker, Phil Booth, Renate Dürr, Fernando Esposito, Ewald Frie, Klaus Gestwa, Rolf Haaser, Andreas Hasenclever, Rebecca Jones, Thomas Kohl, Beatrice von Lüpke, Mischa Meier, Klaus Ridder, Jan Sändig, Dennis Schmidt, Sebastian Schmidt-Hofner, Hannah Skoda,
Holger Stritzel

Why do things change at certain times and not at others? The contributions collected in this volume approach this question from the perspective of threat. Defined as the self-alerting which goes on within societies and social groups, threats open up windows of opportunity for change - though not always the ones hoped for by those who raised the alarm in the first place. But once threatened, social orders previously taken for granted become visible, debateable and therefore changeable. Looking at the relationship between threat and social change with thematic, spatial and temporal foci, the contributions of this five-section volume treat topics ranging from systems of belief in Ancient Europe to droughts in twentieth century Australia, from medieval urban riots to organized crime and peaceful protest nowadays.

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Boom, Bust, and Beyond. New Perspectives on the 1720 Stock Market Bubble

Stefano Condorelli, Daniel Menning (Hg.)

Aus historischer Perspektive haben nur wenige Finanzkrisen soviel Aufmerksamkeit erregt wie die "Mississippi" und "South Sea Bubble" der Jahre 1719–20. Das Platzen der "Zwillingsblasen" schockierte Europa. Die ökonomischen und politischen Auswirkungen waren weithin spürbar. Der von Stefano Condorelli und Daniel Menning herausgegebene Band bietet neue Perspektiven auf diese Ereignisse. Auf der Basis aktueller Forschungen und neu ausgewerteter Quellenbestände hinterfragen die AutorInnen die tradierten Deutungsmuster der Forschung. Die Beiträge befassen sich dabei vor allem mit:

  • dem geographischen Rahmen der Blasen von 1719–20
  • ihren sozialen, kulturellen, ökonomischen und politischen Folgen
  • der zeitgenössischen Wahrnehmung von Spekulation
  • der Mitwirkung und dem Einfluss unterschiedlichster Beteiligter
  • den populären und publizierten Memorialisierungsformen der Ereignisse

Ingesamt leistet der Band einen Beitrag dazu, die Geschichte der Blasen von 1719–20 neu zu denken und hilft, ihren Platz im Kontext der Geschichte des 18. Jahrhunderts genauer zu bestimmen.

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Erschütterte Welt. Soziale Bewältigung von Erdbeben im östlichen Mittelmeerraum der Antike

Jonas Borsch

Die antike Welt war mit dem Phänomen Erdbeben gut vertraut. Das gilt gerade auch für die Bewohner des östlichen Mittelmeerraumes, von denen viele regelmäßig mit seismischen Erschütterungen konfrontiert gewesen sind. Dies ist durch eine vergleichsweise reiche schriftliche Überlieferung und den archäologischen Befund bezeugt. Für den Historiker sind bebenbedingte Katastrophen von besonderem Interesse, da sie gesellschaftliche Debatten auslösen und Strukturen (z.B. sozial, ökonomisch, weltanschaulich) offenlegen können, die weit über das einmalige Ereignis hinausweisen. Jonas Borsch untersucht einige mit Erdbeben besonders eng verbundene Regionen und Orte unter diesem Aspekt: Dabei schaut er auf die mit Erdbeben in Verbindung stehenden Diskurse, auf gesellschaftliche Resilienz sowie auf religiöse und materielle Bewältigungsstrategien. Die Ergebnisse setzt er durch einen diachronen Vergleich zur mediävistischen und neuzeitlichen Katastrophenforschung in Beziehung.

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Deformationen der Ordnung Bausteine einer kulturwissenschaftlichen Katastrophologie

Bausteine einer kulturwissenschaftlichen Katastrophologie

Sandro Ratt

Katastrophen entstehen in enger Verflechtung mit jenen Ordnungsverhältnissen, die von ihnen durchbrochen werden. Sandro Ratt erarbeitet ein begriffliches Instrumentarium, um die komplexen Bezüge zwischen »Ordnung« und »Katastrophe« näher zu analysieren. Am Beispiel einer ursachen- und folgenreichen Lawinenkatastrophe, die sich 1954 im österreichischen Bergdorf Blons zugetragen hat, wendet er die Ergebnisse empirisch an.

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Bedrohte Ordnungen

Konzepte, Materialien und Arrangements für den Geschichtsunterricht

Dennis Schmidt, Johanna Singer, Roland Wolf (Hg.)

Mit den Begriffen „Bedrohung“ und „Ordnung“ sowie dem Modell der Bedrohungskommunikation können Prozesse historischen Wandels kategoriengeleitet analysiert werden, ohne dass dabei das Handeln und Leben der Menschen in den Hintergrund tritt.  Hierzu sind in diesem Band Materialien für den Geschichtsunterricht aus allen Epochen gesammelt. Bekannte Themen werden durch neue Quellen unter innovativen Blickwinkeln betrachtet (Investiturstreit, Kalter Krieg), bisher unübliche oder unbekannte Themen für den schulischen Kontext nutzbar gemacht (Erdbeben in der Antike, armer Adel).

Der Band eignet sich besonders für kompetenzorientierten Unterricht und zur Förderung der Eigenaktivität der Schülerinnen und Schüler. Die Quellen sind jeweils mit einer fachwissenschaftlichen Einleitung und einem geschichtsdidaktischen Kommentar versehen, der konkrete Unterrichtsvorschläge sowohl für kurze Sequenzen als auch für längerfristig angelegte Projektarbeiten bereithält.

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Kumpel, Kohle und Krawall: Miners’ Strike und Rheinhausen als Aufruhr in der Montanregion

Arne Hordt

Der Miners’ Strike von 1984–1985 und die Rheinhausener Proteste waren epochale Ereignisse. Doch warum rebellierten Bergleute und Stahlarbeiter nach Jahrzehnten friedlicher wirtschaftlicher Umbrüche gegen Firmen und Gewerkschaftsfunktionäre, gegen Staat und Regierung? Arne Hordt zeigt, dass sich der Aufruhr vor dem Hintergrund einer bedrohten Ordnung abspielte, nämlich des bis dahin staatlich gesteuerten Strukturwandels in den Montanregionen. Die Arbeiter, die in den 1980er Jahren gegen Werksschließungen protestierten, verteidigten diese Ordnung, ihre Mitbestimmungsrechte und ihre Lebenswelt. In Großbritannien vertiefte der Protest die Spaltung in politische Lager – mit negativen Folgen für die Regionen und das ganze Land bis hin zum Brexit. Im Ruhrgebiet bildete sich hingegen eine neue, positive Identität heraus: Die Metropole Ruhr nahm Gestalt an.

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Die Senatsaristokratie des oströmischen Reiches, ca. 457-518

Christoph Begass

Im Zuge der Gründung Konstantinopels erhielt die neue Hauptstadt – nach dem Vorbild Roms – auch einen Senat. Von Beginn an rekrutierten sich dessen Mitglieder in erster Linie aus den städtischen Oberschichten des oströmischen Reiches. In der vorliegenden Studie werden der Senat Konstantinopels und seine Mitglieder erstmals Gegenstand einer systematischen Untersuchung. Zunächst werden die sich wandelnden Bedingungen einer Mitgliedschaft im Senat herausgearbeitet. Eine Prosopographie bietet Biographien von mehr als 220 Senatoren unter den Kaisern Leo, Zeno und Anastasius. Anschließend werden auf Basis dieser Prosopographie vier Familien exemplarisch in den Blick genommen, bevor Herkunft und Ausbildung, religiöse Orientierung und Karriereverläufe der Senatoren sowie ihre wirtschaftlichen Hintergründe und die Repräsentation von senatorischem Status untersucht werden. Da sich die Kaiser im Untersuchungszeitraum immer wieder von senatorischen Usurpatoren herausgefordert sahen, ergriffen sie zahlreiche Maßnahmen, um diesem Phänomen Herr zu werden. Diese Schritte bedeuteten für den Senat und die Struktur seiner Mitglieder tiefgreifende Veränderungen und gaben ihm eine Form, die für die nächsten Jahrhunderte prägend sein sollte.

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AIDS Autopsie einer Bedrohung im geteilten Deutschland

Henning Tümmers


Zwischen Hysterie und Aufklärung: Wie die Krankheit Aids politische Debatten und gesellschaftliche Veränderungen in beiden deutschen Staaten befeuerte.

Zu Beginn der achtziger Jahre häuften sich Berichte über eine mysteriöse Krankheit, die vor allem Homosexuelle traf und ein qualvolles Sterben zur Folge hatte. Als wenig später auch die ersten Heterosexuellen erkrankten, wuchs weltweit die Angst vor jenem tödlichen Phänomen, dem Mediziner 1982 den Namen »Aids« gaben. In der Bundesrepublik entbrannte bald eine heftige politische Debatte über die vermeintliche Notwendigkeit, die Grundrechte von »Risikogruppen« wie Schwulen und Drogenabhängigen einzuschränken, und selbst in der abgeschotteten DDR versuchte die Regierung mithilfe heimlicher Bluttests und Überwachungsmaßnahmen gegen die neuartige »Seuche« vorzugehen.
Henning Tümmers schildert, wie latente Konflikte über die Rechte und Pflichten von Bürgern und Staat, über Sexualität, Lebensstile und Moralvorstellungen unter dem Eindruck einer damals noch unmittelbar tödlich verlaufenden Krankheit zutage traten.

www.wallstein-verlag.de/9783835330054-henning-tuemmers-aids.html

Wenn Hunger droht - Bewältigung und religiöse Deutung (1400–1980)

Hunger bedroht die Menschheit elementar – bis heute. Die Autoren des sechsten Bands in unserer Reihe "Bedrohte Ordnungen" beim Mohr Siebeck-Verlag untersuchen in drei Zeitschnitten, wie christliche Gesellschaften Hunger bekämpften und ihn religiös deuteten.

Der von Andreas Holzem herausgegebene Sammelband "Wenn Hunger droht. Bewältigung und religiöse Deutung (1400-1980)" ist aus der Forschung des von ihm geleiteten Teilprojekts B02 "Hungerkatastrophen als Bedrohung religiöser und sozialer Ordnungen. Bedrohungskommunikation und Bewältigungshandeln in christlichen Gesellschaften (1570 – 1980)" hervorgegangen. Es umfasst u.a. Beiträge der Teilprojektbearbeiter Jürgen Michael Schmidt, Christina Riese und Johannes Stollhof.

https://www.mohr.de/buch/wenn-hunger-droht-9783161551758

Neuer Sammelband mit dem Titel „Die Christen als Bedrohung?“ im Franz Steiner Verlag erschienen

Der von Prof. Dr. Irmgard Männlein-Robert herausgegebene Band umfasst alle gehaltenen Beiträge der vom 28.–30. Juli 2014 an der Universität Tübingen abgehaltenen internationalen und interdisziplinären Tagung zum Thema „Die Christen als Bedrohung? Text, Kontext und Wirkung von Porphyrios’ Contra Christianos“. Das Tagungsthema war eingebettet in das gräzistische Teilprojekt D01, das im Rahmen des SFB 923 zwischen 2011–2015 von Dr. Matthias Becker bearbeitet wurde.

Das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung finden Sie auf den Seiten des Franz Steiner Verlags

Die Landstände in Steiermark, Kärnten und Karin und die josephinischen Reformen. Bedrohungskommunikation angesichts konkurrierender Ordnungsvorstellungen (1789-1792)

Vor wenigen Tagen ist das Buch unseres Kollegen Dr. Philip Steiner unter dem Titel "Die Landstände in Steiermark, Kärnten und Karin und die josephinischen Reformen. Bedrohungskommunikation angesichts konkurrierender Ordnungsvorstellungen (1789-1792)" im Aschendorff-Verlag erschienen. Die Monografie ging aus seiner Dissertation im Rahmen des Teilprojekts D02 der ersten Förderphase hervor. Philipp Steiner ist inzwischen Senior Scientist für Neuere Geschichte am Fachbereich der Geschichte an der Universität Salburg.

 

https://www.aschendorff-buchverlag.de/shop/vam/apply/viewdetail/id/6436/

"Bedrohte Ordnungen" Thema der aktuellen Ausgabe des "Journal of Modern European History"

Das Journal of Modern European History nimmt in seiner aktuellen Ausgabe 1/2017 "'Bedrohte Ordnungen' als Thema der Kulturwissenschaften" in den Blick. In einem Leitartikel formulieren Ewald Frie und Boris Nieswand "Zwölf Thesen zur Begründung eines Forschungsbereichs". Es kommentieren Andreas Ziemann, Martin Schmid, Bernhard Linke und Ute Daniel.

https://elibrary.chbeck.de/zeitschrift/1611-8944

Nürnberger Fastnachtspiele und städtische Ordnung

Beatrice von Lüpke

Inwiefern lässt sich das mittelalterliche Fastnachtstheater als Auseinandersetzung mit städtischer Ordnung verstehen? In der vorliegenden Studie interpretiert Beatrice von Lüpke die vorreformatorischen Nürnberger Fastnachtspiele unter Berücksichtigung historischer Quellen und geschichtswissenschaftlicher Forschungsergebnisse. Viele Spieltexte lassen sich dadurch neu erschließen; vor allem deutet die Vielzahl der Anspielungen auf Ordnungsmuster und Konflikte darauf hin, dass die Teilhabe am städtischen Ordnungsdiskurs diese frühe Spieltradition wesentlich charakterisiert. Mit den ihm eigenen poetischen Mitteln verhandelt das Fastnachtspiel Recht, Religion, Politik, Wirtschaft und Stand sowie Ehe- und Geschlechterrollen. Exemplarisch zeigen sich hier die Bedingungen des vormodernen Theaters in der Stadt.

Inhaltsverzeichnis und Einleitung

Von Selma bis Ferguson: Rasse und Rassismus in den US

Michael Butter, Astrid Franke, Horst Tonn (Hg.)

Unter zentraler Beteiligung des Teilprojekts G06 „Drogen, Macht und Marginalisierung: “ (2. Förderphase) / C03 „Multiple Bedrohungen in amerikanischen Rassenbeziehungen seit 1945“ (1. Förderphase) ist im Transcript Verlag soeben der Sammelband Von Selma bis Ferguson: Rasse und Rassismus in den USA erschienen, der sich fünfzig Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung aus kultur- und geschichtswissenschaftlicher Perspektive der seitherigen Entwicklung der Rassenbeziehungen in den USA widmet. Die Teilprojektleiterin Astrid Franke, Professorin für Amerikanistik, hat den Band herausgegeben und einen Beitrag zur Verhandlung der afroamerikanischen Geschichte im Roman John Henry Days (2001) des schwarzen Schriftstellers Colson Whitehead verfasst. Die Mitarbeiterinnen Nicole Hirschfelder, Christine Knauer und Katharina Motyl beleuchten in ihren Beiträgen aktuelle Formen schwarzen Protests wie #BlackLivesMatter (Hirschfelder), Lynchmorde in den Südstaaten nach 1945 (Knauer) sowie die Hyperinhaftierung der schwarzen urbanen Unterschicht im Zeichen des War on Drugs (Motyl). Georg Schild, Professor für Nordamerikanische Geschichte und Teilprojektleiter von G07, ist ebenso mit einem Beitrag vertreten, in dem er die historischen Hintergründe der Bürgerrechtsbewegung nachzeichnet. Die Mitglieder des Teilprojekts G06 / C03 bedanken sich beim SFB für die Förderung dieses Buchprojekts.

Inhaltsverzeichnis und Einleitung

Land, Soil and People. Agricultural Expertise and Power (19th - 20th Centuries). Paris 2016 (= Cahiers du Monde Russe 1/2016

Katja Bruisch, Klaus Gestwa, (Hg.)

Prof. Dr. Klaus Gestwa gibt zusammen mit Dr. Katja Bruisch das neue Themenhefte der Cahiers du Monde Russe heraus. Das Themenheft trägt den Titel „Land, soil and people. Agricultural expertise and power (19th-20th centuries).“ Das Themenheft widmet sich drei thematischen Schwerpunkten: der Regulierung der Landnutzung, ökonomischen und politischen Interessen als Bestimmungsgrößen für Sachwissen sowie den daraus entstehenden Konflikten und Zwangsmäßigkeiten. Klaus Gestwa und Katja Bruisch führen in ihrer umfassenden Einleitung in das Themengebiet ein, reflektieren souverän den Forschungsstand und regen so weiterführende Studien an.

"Boko Haram: Lokaler oder transnationaler Terrorismus?

Jan Sändig

Zurückgehend auf sein Forschungsprojekt in der ersten Förderphase hat unser Mitarbeiter Jan Sändig, aus dem Teilprojekt F07, einen Aufsatz in der aktuellen Ausgabe (24-25/2016) der Zeitschrift "Aus Politik und Zeigeschichte" der Bundeszentrale für Politische Bildung veröffentlich. Jan Sändig schreibt dort über "Boko Haram: Lokaler oder transnationaler Terrorismus?".

Seine These: "Die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram ist aus lokalen politischen Ursachen und Dynamiken entstanden und nicht, wie weithin angenommen, aus religiösen Gründen und transnationalen Terrornetzwerken wie Al-Qaida und dem 'IS'."

Der Artikel ist kostenlos abrufbar unter http://www.bpb.de/apuz/228876/boko-haram-lokaler-oder-transnationaler-terrorismus

Wie reagierten geistliche Frauengemeinschaften auf die Bedrohung durch die Reformatio

Agnes Müller

Den Beitrag von Agnes Müller zu ihrem Projekt finden Sie in der aktuellen Ausgabe (4/2015) der Zeitschrift "Momente - Beiträge zur Landeskunde Baden-Württemberg" sowie, mit freundlicher Genehmigung des Verlags, auch in digitaler Form hier im Anhang.

Agnes Müller bearbeitet im SFB das Teilprojekt G02. Das Projekt untersucht geistliche Frauengemeinschaften in Südwestdeutschland im 15. und 16. Jh., die durch Reformen bzw. die Reformation mit einer massiven Bedrohung ihrer inneren Ordnung konfrontiert waren. Untersucht werden zum einen württembergische Dominikanerinnengemeinschaften, die in geschlossener Klausur lebten, wodurch sich eine starke Differenzierung ihrer Kommunikation in Innen- und Außenkontakte und eine merklich eingeschränkte eigene Handlungsfähigkeit ergab; zum anderen eine Gruppe von Frauengemeinschaften in Südwestdeutschland, die als Säkularkanonissen (Stiftsdamen) kaum an die Klausur gebunden waren, wodurch sich fließende Übergänge zwischen ihrer Innen- und Außenkommunikation ergaben und die Frauen in erheblich höherem Maße in der Außenwelt direkt handeln konnten.

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„Aufruhr“

Arne Hordt, Thomas Kohl, Beatrice von Lüpke, Rebekka Nöcker, Sophie Stern

Wie lässt sich das Verhältnis von kurzfristiger sozialer Unruhe zu langfristigen Veränderungen für die historisch arbeitenden Wissenschaften bestimmen? Die Beantwortung dieser Frage machten sich fünf Forscher des SFB 923 im Rahmen eines Arbeitskreises zur Aufgabe. Ihre Ergebnisse präsentieren sie nun im Rahmen eines Artikels in der renommierten Historischen Zeitschrift (HZ).

Arne Hordt, Thomas Kohl, Beatrice von Lüpke, Rebekka Höcker und Sophie Stern erarbeiteten dazu einen Begriff „Aufruhr“, mit dem sich Phänomene unabhängig von epochenspezifischen Großdeutungen interpretieren lassen. Ihr Artikel "Aufruhr! Zur epochenübergreifenden Beschreibung beschleunigten sozialen Wandels in Krisenzeiten" beschreibt mit Hilfe des Begriffs „Aufruhr“ die Loslösung der Analyserichtung historischen sozialen Wandels von zielgerichteten Schemata, wie z. B. Revolution, und betont demgegenüber die Eigenlogik von Verlaufsformen.

Dazu stellen die SFB-Forscher drei historische Beispiele von Aufruhr aus verschiedenen Epochen vor: Auf zwei Unruhen in städtischen Kontexten des hohen und späten Mittelalters folgt ein Fall aus dem industriellen Ruhrgebiet der 1920er Jahre. Auf dieser Basis erarbeiten sie als heuristisches Instrumentarium fünf analytisch getrennte Merkmale von Aufruhr: Gruppencharakter und Gesellschaftsbezug, Öffentlichkeit, Gewalt, Verdichtung von Raum und Zeit sowie Komplexität und Kontingenz. Diese Eigenschaften bleiben zwar an zeitliche und räumliche Spezifika gebunden, sie gestatten aber einen vergleichenden Blick auf Aufruhr als ubiquitäres Phänomen von Gesellschaften über Zeiten und Räume hinweg. Aufruhr macht so im doppelten Sinne Geschichte, als Ereignis und als Generator für Fragen an die Vergangenheit.

Link:
www.degruyter.com/view/j/hzhz.2015.301.issue-1/issue-files/hzhz.2015.301.issue-1.XML

 

Porphyrios, "Contra Christianos" Neue Sammlung der Fragmente, Testimonien und Dubia mit Einleitung, Übersetzung und Anmerkungen

Matthias Becker


Die Sammlung, Selektion und Anordnung der Fragmente und Testimonien der porphyrianischen Schrift Gegen die Christen (entstanden nach 270/271 n.Chr.) gestaltet sich seit über 100 Jahren schwierig: Nicht alle Texte, die Adolf von Harnack (1916) und andere dieser Schrift zugeordnet haben, können Porphyrios sicher zugewiesen werden.

Die vorliegende neue Sammlung bietet nicht nur einen aktualisierten Bestand von 132 Texten, welcher die neuesten Forschungsergebnisse aufgreift, sondern auch eine Textzusammenstellung, die erstmals zwischen authentischen Fragmenten und Testimonien einerseits und Dubia andererseits unterscheidet. Die Partien des anonymen Hellenen aus dem Apokritikos des Makarios Magnes, welche in alle bisherigen Ausgaben von Contra Christianos aufgenommen wurden, sind aus dem Textbestand ausgeschieden.

Durch die deutsche Übersetzung und Erstkommentierung werden die überlieferten Textbruchstücke vollständig erschlossen. Zudem wird Contra Christianos in den größeren Zusammenhang einer Konkurrenz zwischen paganen Platonikern und Christen eingebettet und als Zeugnis einer Bedrohungskommunikation des Porphyrios interpretiert.

www.degruyter.com/view/product/458579