Calls for Applications – Computer Science
09.09.2026
BMFTR: Förderung von Leitprojekten für die Nutzung von KI in Wertschöpfungsketten: Industrielle, domänenspezifische KI zur Erschließung von Wertschöpfungspotenzialen in deutschen Schlüsselbranchen
Frist: 1. November 2026 (Zweistufiges Verfahren, Projektskizzen)
Um die Wertschöpfung durch KI nachhaltig zu steigern, müssen KI-Ansätze in ihrer gesamten Breite berücksichtigt werden. Ein starker Fokus auf einzelne, aktuell weit verbreitete Spielarten wie Chatbots auf Basis allgemeiner großer Sprachmodelle (LLMs) ist nicht ausreichend, um das vielfältige Potenzial von KI als Querschnittstechnologie zur Mustererkennung und Datenanalyse in zahlreichen Branchen auszureizen. Ziel muss es sein, passfähige Lösungen zu entwickeln, die die Stärken der deutschen Wirtschaft optimal aufgreifen und ein deutsches Alleinstellungsmerkmal bilden, um so die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
Mit dieser Bekanntmachung adressiert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die oben genannten Herausforderungen für den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Förderrichtlinie zielt darauf ab, die Entwicklung und Implementierung solcher domänenspezifischen KI-Systeme entscheidend voranzubringen, die präzise auf die Anforderungen vertikaler Wertschöpfungsketten zugeschnitten sind. Dabei sollen sowohl spezialisierte Sprachmodelle als auch KI-Ansätze zur Verarbeitung multimodaler Datenquellen unter Einsatz von Deep Learning, symbolischen Ansätzen und hybriden Modellen erforscht werden. Übergreifende Ziele sind dabei, die Leistungsfähigkeit, Genauigkeit und Praxistauglichkeit von KI-Systemen in zentralen Anwendungsfeldern für die deutsche Wirtschaft wie zum Beispiel dem produzierenden Gewerbe, dem Maschinenbau und der Landwirtschaft zu verbessern.
Die Maßnahme soll die Entwicklung passfähiger, effizienter KI-Lösungen befördern, die durch lokale Datenverarbeitung und geringeren Ressourcenbedarf die technologische Souveränität stärken und ein deutsches Alleinstellungsmerkmal im globalen Wettbewerb bilden. Als Teil der Flaggschiffmaßnahme der HTAD für die Schlüsseltechnologie „Künstliche Intelligenz“ leistet sie einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der digitalen Souveränität Deutschlands sowie Europas und zur nachhaltigen Steigerung der industriellen Wertschöpfung durch innovative Querschnittstechnologien.
Gefördert werden risikoreiche industrielle Forschungs- und vorwettbewerbliche Entwicklungsvorhaben in Form von Verbundprojekten, die als Transfer-Leitprojekte konzipiert sind. Im Zentrum der Projekte steht die Entwicklung von KI-Systemen, die mit Hilfe domänenspezifischer Daten und der Modellierung tiefen domänenspezifischen Wissens auf die realen Anwendungsfälle einer spezifischen Domäne ausgerichtet sind. Die Projekte müssen dabei zwingend die folgenden thematischen Schwerpunkte adressieren:
• Entwicklung domänenspezifischer KI-Modelle und -Systeme: Anpassung oder Neuentwicklung von KI-Architek¬turen und maßgeschneiderten Open-Source-Modellen, die spezifisches Fachvokabular, Prozesswissen und/oder physikalische Gesetzmäßigkeiten einer Branche (zum Beispiel chemische Strukturformeln, Ingenieurswissen) nativ integrieren;
• Vertikale Verankerung und Dateninfrastruktur: Schaffung spezifischer Datenpipelines und Integrationsschichten zur Anbindung branchenüblicher IT-Systeme sowie die Nutzung branchenspezifischer Datenquellen innerhalb be-stehender industrieller Ökosysteme;
• Datenzugänglichkeit und offene Standards: Erarbeitung technischer Lösungen zur Überwindung von Datensilos und Etablierung offener Standards sowie tragfähiger Governance-Modelle für den Datenaustausch innerhalb einer Branche, branchenübergreifend sowie zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.
Der Fokus der Projekte sollte auf Branchen mit hohem Wertschöpfungsanteil in Deutschland liegen. Hierzu zählen insbesondere, aber nicht ausschließlich:
• Industrielle Fertigung und Maschinenbau (zum Beispiel KI-basierte Prozessoptimierung, autonome Rekonfiguration von Produktionslinien bei Produktwechseln, resiliente Lieferketten-Steuerung, KI-basiertes Produkt- und Produk¬tionsengineering);
• Mobilität und Automobilindustrie (zum Beispiel spezialisierte Umfeldwahrnehmung, Logistikoptimierung);
• Chemieindustrie und Cleantech (zum Beispiel Materialforschung, nachhaltige Prozesssteuerung, KI-gesteuerte Laborumgebungen);
• Medizintechnik (zum Beispiel KI-gestützte Diagnostik);
• Agrarwirtschaft (zum Beispiel Präzisionslandwirtschaft, Intelligentes Nährstoffmanagement);
• Informations- und Kommunikationstechnik.
Antragsberechtigt sind Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und andere Institutionen, die Forschungsbeiträge liefern, sowie Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft. Zum Zeitpunkt der Auszahlung einer gewährten Zuwendung wird das Vorhandensein einer Betriebsstätte oder Niederlassung (Unternehmen) beziehungsweise einer sonstigen Einrichtung, die der nichtwirtschaftlichen Tätigkeit des Zuwendungsempfängers dient (Hochschule, Forschungseinrichtung), in Deutschland verlangt. Gefördert werden ausschließlich Verbundprojekte mit Industriebeteiligung.
Das Antragsverfahren ist zweistufig angelegt.
In der ersten Verfahrensstufe sind bis spätestens 1. November 2026 zunächst Projektskizzen in elektronischer Form vorzulegen.
Mit der Abwicklung der Fördermaßnahme hat das BMFTR derzeit folgenden Projektträger beauftragt:
VDI/VDE Innovation + Technik GmbH
Steinplatz 1
10623 Berlin
Asp.: Dr. Ali Altin, Dr. Dirk Kautz und Dr. Nicole Häusler
E-Mail: domaenenspezifische-KIspam prevention@vdivde-it.de
Internet: https://ki-und-softwaresysteme.de/de/domaenenspezifische-ki
Weitere Informationen:
https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Bekanntmachungen/DE/2026/07/2026-07-31-bekanntmachung-ki-wertschoepfungsketten.html?view=renderNewsletterHtml