Edwin Rosen hat sein Studium an der Universität Tübingen pausiert, um sich ganz der Musik zu widmen. Mehr als 1,2 Millionen Hörerinnen und Hörer folgen ihm auf Streamingplattformen.
Edwin Rosen, bevor es mit Ihrer Karriere als Musiker losging, haben Sie an der Universität Tübingen studiert. Wieso fiel die Wahl damals auf Tübingen?
Ich bin im Großraum Stuttgart zur Schule gegangen, dort hat sich auch mein Leben abgespielt. Nach dem Abitur wollte ich von zu Hause weg, aber trotzdem noch die Möglichkeit haben, meine Freund:innen zu sehen. Tübingen hatte die perfekte Distanz: Die Universität war weit genug weg, so, dass sich das Studium wie ein neuer Lebensabschnitt anfühlte, aber trotzdem noch nah genug an Stuttgart, um am Wochenende Leute treffen zu können.
Wieso haben Sie sich für Anglistik und Philosophie entschieden?
Ich hatte eine sehr prägende Deutschlehrerin, die meine Begeisterung fürs Lesen geweckt hat. Das brachte mich der Literatur näher. Anglistik und Philosophie wurden es dann, weil das die Fächer waren, die mich in der Schule am meisten interessiert haben und ich mir gut vorstellen konnte, sie später zu unterrichten.
Gibt es Denkweisen aus Ihrem Studium, die Sie in Ihrer Musik nutzen?
Die Fähigkeit, sich mit abstrakten Ideen auseinanderzusetzen und sie greifbar zu machen, hilft mir als Musiker sehr. Wenn ich beispielsweise nach einer Vorlesung das Gefühl hatte, „Okay, das habe ich noch nicht ganz durchdrungen!“, habe ich mich hingesetzt und mich nochmals in den Stoff eingearbeitet, bis ich ihn verstanden habe. Beim Musikmachen ist es ähnlich: Wenn man ein neues Instrument lernt, muss man auch Schritt für Schritt vorangehen, sich einarbeiten und lernen, wie man es spielt.
Beeinflusst die Literatur Ihre Musik?
Beim Songschreiben habe ich mich öfters von den Werken, die ich im Studium gelesen habe, inspirieren lassen. Ich mag Bücher, Filme und Musik, die viel Interpretationsspielraum lassen, aber trotzdem eine klare Stimmung transportieren. Das ist auch beim Songschreiben mein Ziel: Hier versuche ich, ein Gefühl zu vermitteln, keine abgeschlossene Geschichte zu erzählen. Ich möchte, dass meine Texte möglichst offen bleiben, so, dass meine Hörer:innen ihren eigenen Zugang zu meinen Liedern finden.
Ihre Musik wird oft als melancholisch und düster beschrieben. Können Sie sich mit dieser Einordnung identifizieren?
Ja, schon. Ich höre selbst gerne melancholische Musik. Mich interessieren vor allem Emotionen wie Unsicherheit, Orientierungslosigkeit oder Verlustangst. Diese Emotionen versuche ich auch, in meiner Musik einzufangen. Gleichzeitig hatte ich nie das Gefühl, dass meine Musik sagt, „Alles ist hoffnungslos“. Die Möglichkeit, dass sich alles auch wieder ändern kann, ist immer dabei.
Wenn Sie ein Zitat aus Ihrem Studium in einen Song einbauen müssten, für welches würden Sie sich entscheiden?
„To fail in everything, it is true, will always remain possible” von Jacques Derrida. Man kann sich noch so sehr anstrengen und trotzdem scheitern.
Das Interview führte Rebecca Hahn