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Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 3/2026: Forum

Jubiläum 550 Jahre Universität Tübingen: Tanzprojekt zu Ehren von Maria von Linden, die als erste Frau an der Universität studierte

Uraufführung des Stücks über Maria von Linden für den Sommer 2027 geplant

Im Jahr 1892 schrieb Maria von Linden Universitätsgeschichte: sie war die erste Frau, die die Genehmigung erhielt, Lehrveranstaltungen an der Universität Tübingen zu besuchen. Später wurde sie als erste Frau in Deutschland in den Naturwissenschaften promoviert. Jetzt entsteht anlässlich der Feierlichkeiten zu 550 Jahren Universität Tübingen mit „Sonntagskind mit wasserdichter Haut“ ein Tanztheaterprojekt, das die Geschichte dieser Pionierin ins Rampenlicht rückt. Ihr Leben wird dabei gemeinsam von professionellen Künstlerinnen und Künstlern sowie Studierenden neu erzählt. 

Von der Biografie zum Bühnenbild

Der Titel des Stücks geht auf eine Selbstbeschreibung Maria von Lindens zurück: In ihrer Autobiografie bezeichnete sie sich selbst als „Sonntagskind mit wasserdichter Haut“. Das Stück greift zentrale Themen ihres Lebens auf: ihren Kampf um Bildung und wissenschaftliche Anerkennung, wissenschaftliche Neugier sowie den Mut, sich den Rollenvorstellungen ihrer Zeit zu widersetzen und ihren eigenen Weg zu gehen.

Die Idee zu dem Projekt entstand in den Vorbereitungen auf das Jubiläumsjahr der Universität Tübingen. Auf Initiative des Universitätsmusikdirektors Philipp Amelung entwickeln das Collegium Musicum und das Studio Literatur und Theater gemeinsam mit Kunstschaffenden ein neues Tanztheaterprojekt über Maria von Linden.

Musik, Choreografie sowie Bühnen- und Kostümbild entstehen eigens für das Projekt. Komponist Lars Hempel und Choreograf Jochen Heckmann erarbeiten Musik und Choreografie gemeinsam. Präsentiert wird die Musik vom Akademischen Orchester der Universität.

Studierende entwickeln das Stück mit

Auch für den Plot gibt es keine fertige Vorlage. Inhaltliche Grundlage des Stücks ist das Libretto, das Handlung und Aufbau der späteren Inszenierung festlegt. Es entstand in Seminaren von Professorin Dr. Susanne Marschall vom Institut für Medienwissenschaft und Nancy Hünger vom Studio Literatur und Theater an der Universität Tübingen. Studierende beschäftigten sich mit Briefen, biografischen Texten und historischen Dokumenten zu Maria von Linden. Daraus entstanden erste Szenen, Motive und Ideen für das Stück. Viele dieser Ansätze fließen nun in die weitere Arbeit ein und lassen die Studierenden das Jubiläumsprojekt so selbst gestalten.

Pionierin der Universität

Maria von Linden durfte mit einer Sondergenehmigung des württembergischen Königs Wilhelm II. ab 1892 als erste Frau Lehrveranstaltungen an der Universität Tübingen besuchen. Zu ihren Studienfächern gehörten Mathematik, Physik, Chemie, Zoologie, vergleichende Anatomie und Histologie. 1895 wurde sie in Tübingen als erste Frau in Deutschland in den Naturwissenschaften promoviert. Anschließend arbeitete sie am Zoologischen Institut der Universität Tübingen als erste weibliche Assistentin, bevor sie ihre wissenschaftliche Laufbahn in Bonn fortsetzte. Dort prägte sie über Jahrzehnte die parasitologische Forschung und stellte sich in den 1930er-Jahren offen gegen die Nationalsozialisten.

Ihr Bildungsweg war in einer Zeit, in der Frauen der Zugang zur Universität weitgehend verwehrt war, alles andere als selbstverständlich. Mit dem Tanztheaterprojekt rückt die Universität die Geschichte Maria von Lindens in den Mittelpunkt und erinnert an eine Wissenschaftlerin, die den Weg vieler Generationen von Studentinnen geebnet hat. Die Uraufführung von „Sonntagskind mit wasserdichter Haut“ ist für den Sommer 2027 geplant. 

Nora Zeller