Uni-Tübingen

Werkstatt Poesie: Die werdende Werkstatt - Schreiben auf Hölderlins Spuren

                                                                                       

Dozent: Jan Snela  

Kompaktseminar:

19.-21.06.2020

Maximal 20 Teilnehmer

Ort: Raum -1.19, Wilhelmstraße 19 – 23

Schlüsselqualifikationsseminar, 3 ects

Beginn: 19.06.2020

Fr 15-20 Uhr

Sa 10-13 Uhr und 15-18 Uhr

So 10-13 Uhr

Beginn c.t.

"Schon zu lange, zu lang irr ich, dem Laien gleich, / In des bildenden Geists werdender Werkstatt hier“, schreibt Hölderlin in „An die Deutschen“.  In der selben Ode wird auch der Dichter mit dem „Kind“ verglichen, das „auf dem Rosse von Holz herrlich und viel sich dünkt“ - und als solches vor dem Spott der sich vernünftiger Wähnenden in Schutz genommen. Damit ist die Vorgehensweise eines spielerischen Ernsts umrissen, mit der wir uns im Rahmen des Seminars lesend und schreibend an Hölderlin annähern wollen. Die „werdende Werkstatt“ ist kein bereits existenter, garantierter Sammlungsort für Instrumente und Materialien, mit denen sich ohne weiteres munter drauflos werkeln ließe. Sie muss vielmehr – gemäß Hölderlins Schreibweise, die die Aneignung tradierter Formen immer auch in den Dienst ihrer Aktualisierung, ihrer Anwendung auf ein Heute stellt - selbst erst geschaffen werden. Das in der Ode beklagte Laientum – kein mit Kniffen auszuräumender Zustand - bemisst sich an der steigernden Aktivität des „bildenden Geistes“, dem wir uns lesend, reflektierend, nachahmend anheimgeben werden. Dabei mag sich uns Hölderlins so demütig formulierter wie exzentrischer Anspruch einer Dichtung auf der Höhe der Zeit erschließen, deren Wesen durch hippe Stromlinienförmigkeit und Anbiederung an Aktualität bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Im Gespräch über von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mitgebrachte Stellen aus Hölderlins Werk und über eigene Entwürfe, ergründen wir, was der Anspruch Hölderlins für das Schreiben von Literatur heute an Anregungen in sich birgt.