Uni-Tübingen

A3: Purismus – Diskurse und Praktiken der Sprachreinheit

Mit dem Sprachpurismus bringt A3 einen Gegenstand in den Sonderforschungsbereich ein, der für die europäische Sprach- und Kulturgeschichte bis heute virulent ist – weit über die Kritik am Fremdwortgebrauch hinaus. Das interdisziplinäre Teilprojekt, das Literatur- und Sprachwissenschaft, Romanistik und Germanistik verbindet, untersucht den frühneuzeitlichen Purismus erstmals systematisch und vergleichend für die drei eng verbundenen Sprach- und Kulturräume Italien, Frankreich und Deutschland. Im Blickpunkt stehen Wechselwirkungen zwischen Sprachpolitik und Literarästhetik, die sich v.a. an den Aktivitäten der Sprachakademien (z.B. Accademia della Crusca, Académie française, Fruchtbringende Gesellschaft) beobachten lassen. Bereits in der antiken Rhetorik ist Sprachreinheit (puritas linguae) ein wichtiges Ideal innerhalb der Lehre vom Stil (elocutio); doch erst seit dem 16. Jahrhundert entwickelt sich ‚Reinheit der Sprache’ auch zu einer ästhetischen Reflexionsfigur europäischer Spracharbeit und identitätsstiftender Sprachpolitik. Mit Hilfe des praxeologischen Modells zeigt A3, wie sich in der frühneuzeitlichen Debatte um die ‚Reinheit der Sprache’ Normierungsbestrebungen, literarische Produktion und soziale Praxis miteinander verflechten und wechselseitig begründen. Entsprechend seiner Position im Projektbereich A konzentriert sich das Teilprojekt vor allem auf diese Praktiken, d.h. auf Strategien der Durchsetzung einer ‚reinen Sprache’, etwa in Zeremoniell und höfischer Kommunikation, im akademischen Diskurs, in Literatur, Kanzlei und Schule.


Team


Aktuelles

Veranstaltungen

„Ästhetik – Materialität – Wissen“ – Drittes Treffen des Forschungsverbundes „Frühe Neuzeit Südwest“.06.12.2019, 10:30–19:00 Uhr, Evangelisches Stift. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich hier.

Publikationen

Lehre