Uni-Tübingen

Svenja Dalacker

M.A.

Büro

 Raum 203, Gartenstraße 19, 72074 Tübingen
+49-(0)7071/29-77318
svenja.dalackerspam prevention@uni-tuebingen.de

Akademischer Werdegang

seit 04/2017
Promotion in der Archäologie des Mittelalters

an der Eberhard Karls Universität Tübingen

2013-2016
Masterstudium der Archäologie des Mittelalters mit der Abschlussarbeit "Deponierung der ander geburt: Neuzeitliche Nachgeburtstöpfe aus Bodelshausen, Altenhoferstr. 3 im kontextuellen Vergleich"

an der Eberhard Karls Universität Tübingen

2009-2013
Bachelorstudium der Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters (Hauptfach) und Ethnologie (Nebenfach)

an der Eberhard Karls Universität Tübingen

Berufliche Stationen

seit 04/2017
Kollegiatin im DFG-Graduiertenkolleg 1662 "Religiöses Wissen im vormodernen Europa (800-1800)"

2013-2017
Grabungsnacharbeiten und Fundaufbereitung, Erstellung von Katalogen und Fundzeichnungen/-photographien im Rahmen der Archäologischen Denkmalpflege

2014
Grabungsleitung vor Ort

Bodelshausen, Altenhoferstr. 3

2011-2012
Wissenschaftliche Hilfskraft

im DFG-Graduiertenkolleg 1662 "Religiöses Wissen im vormodernen Europa (800-1800)"

2010-2014
Mitarbeit an Archäologischen Ausgrabungsprojekten

in Deutschland, Sibirien, Israel und Serbien

Vorträge

2019
"Von Nachgeburtstöpfen, gebohrten Löchern und verborgenen Fläschchen... - Bauarchäologische Spuren von Religiosität im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hauskontext"

Chur (CH), Archäologischer Dienst Graubünden

2019
Interview mit Fernsehbeitrag

Lom (NO), NRK (TV) Innlandet, Lom Bygdemuseum, Norsk Kulturarv

2018
Chapel Hill (USA): „Religious Depositions in Medieval and Early Modern Housing Contexts“

University of North Carolina at Chapel Hill (USA)

2018
Zürich: „‘DAS HUS STADT IN GOTS GWALT…‘ – Nachgeburtstöpfe und andere Gebäudefunde als Zeugnisse von Religiosität im Hauskontext“

Universität Zürich

2017
Ellwangen: „Glaubenswelten – Der profane Raum als Träger und Ort religiöser Medialität und Wissensgestaltung“

Forschungstagung

2017
Hall in Tirol, Burg Hasegg: „Geburt im archäologischen Befund: Neuzeitliche Deponierung von Nachgeburtstöpfen“

Universität Innsbruck, Stadtarchäologie Hall in Tirol, Zonta Club Innsbruck-Tyrol

2014
Bodelshausen: "Glück verheißend, Unheil bringend - Neuzeitliche Nachgeburtsbestattungen aus Südwestdeutschland"

Vortrag und Führung im Rahmen des "Tag des offenen Denkmals"

Publikationen

2017
Svenja Dalacker, Überlegungen zum Zusammenhang von Nachgeburtstöpfen und Reformation. Aberglaube bei den frühen Protestanten?

In: Nachrichtenblatt der Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Bd. 46, Nr. 4 (2017), 257-261.

2017
Svenja Dalacker, Burying the Afterbirth: The Archaeological Record of Modern Placenta Burial Vessels.

In: Newsletter of the Society for Historical Archaeology, Vol. 50, no. 3 (2017), 13-15.

2014
Svenja Dalacker, Im Keller vergraben. Neuzeitliche Nachgeburtsbestattungen aus Bodelshausen

In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg (2014), 308-310.

Glaubenswelten – Der profane Raum als Träger und Ort religiöser Medialität und Wissensgestaltung

Religion durchzieht alle Bereiche des profanen Alltags und gibt dieser Dimension religiöse Bedeutung (MALINOWSKI 1973). Diese eigentliche Diskrepanz beider Begriffspaare „sakral“ und „profan“ trifft in verschiedenen Lebensbereichen zusammen: Profane Gebäude können religiöses Wissen zum Ausdruck bringen und spiegeln die Glaubenswelt der darin wohnenden Menschen wieder, als auch deren Interaktion und Umgang. Als Kommunikationsort, aber auch als Knotenpunkt zwischen sakral und profan, zwischen offiziell-institutionalisiertem und gelebtem Glauben sind sie Träger und Ort religiösen Wissens, Transfers und Tradierung.
Dies spiegelt einen Bereich um private Religiosität wieder und beinhaltet damit neben dem offiziellen, institutionalisierten christlichen Glauben auch die Domäne des „Aberglaubens“ und der Interaktion mit anderen koexistierenden Glaubensformen, wie der jüdischen Religion, als nicht voneinander trennbare Lebensbereiche (siehe hierfür WILD/ BÖHMER 1995/96 und MÜLLER ET AL. 2011).

Diese Thematik wurde in der Forschung bisher nur wenig beachtet. In einem interdisziplinären Ansatz soll der spätmittelalterliche und frühneuzeitliche profane Raum (Wohngebäude) auf seine Gestaltung und Wahrnehmung sakraler Manifestationen und religiöse Wissenstradierung und -transfer hin untersucht werden. Die religiöse Inszenierung der Lebenswelt der Menschen kann als Kontrast zur kirchlichen Raumgestaltung betrachtet werden.

Die religiöse Gestaltung des Alltags und der häuslichen Umgebung nimmt einen wichtigen Stellenwert in der mittelalterlichen und neuzeitlichen Gesellschaft ein – der profane Wohnbau erfährt religiös-sakrale Aufladung und Bedeutung in Bezug auf das Ex- und Interieur. Dies kann sich in unterschiedlichen Fundquellen widerspiegeln, wie bspw. religiöse Hausinschriften (VOSSLER 2009), Hauskapellen (HOERNES 2000) und Kachelöfen (RING 2007), belegen, aber auch Nachgeburtsdeponierungen (DALACKER 2016), Bauopfer, Hausbestattungen und div. Hauszauber (THIER 1998) markieren einen ambivalenten religiösen Bereich. Die Umschreibung als ‚little church‘ weist den häuslichen Wohnraum in bewusster Wahrnehmung als Pendant zum Sakralgebäude aus, der durch die Reformation und Konfessionalisierung eine besondere Sakralisierung erfuhr (FINCH 2007, 200f.).

Dieses Projekt will zusammenführen in welcher Weise religiöses Wissen in der Lebenswelt am Hausbefund seinen Niederschlag findet, wie sich dieses kodiert, tradiert und welchen Transfer es vollzieht. Hierzu gibt es verschiedene theoretische Ansätze, bspw. anhand des von Pierre Bourdieu als Habitus bezeichneten Lebensstils, um Identitäten sowie den profanen Raum und deren religiöse Gestaltung wahrzunehmen (STAECKER 2003, 415–436; PFROMMER 2009, 343-351). Zentrale Fragen dabei sind, welches religiöse Wissen materialisiert wurde, auf welcher Weise und wo dies räumlich verortet war. In welcher Art können profane Gebäude sakrale Manifestationen offenbaren und was bzw. wie drücken sie sich aus? Auf welche Weise wurde das materialisierte religiöse Wissen in die häusliche Ausstattung und Lebenswelt transferiert und eingebunden? Welche Personengruppe/(religiöse) Identität steht dahinter und was lässt sich über diese durch Art und Botschaft (Inhalt) der religiösen (Aus-) Gestaltung ihres Heims ableiten?
Oben genannte Quellen stellen Bereiche dieser Medialität und Selbstrepräsentation dar. Diese können in verschiedene Felder gegliedert werden: a) Das Haus außen und innen, b) festes Inventar (bspw. Öfen, Inschriften), c) loses Inventar (Möbel, Kleinfunde). Dabei können Exterieur und Interieur des Hauses Aufschlüsse über die Bedeutung und den Ausdruck der religiösen Medialität liefern. Neben der Darstellung sakral-profaner Raumwahrnehmungen, ließen sich so religiöse Offenbarungen von der öffentlich-sichtbaren Darstellung respektive Zurschaustellung/(Selbst-)Repräsentation durch Anbringung an der Fassade sowie der Hausausstattung in halböffentlichen Räumen (Flur und Stube) zu privaten Sphären (Keller, Schlafraum oder versteckt in Boden und Wänden) nachvollziehen.
Ausgehend von diversen theoretischen Ansätzen erfolgt eine noch nie vorgenommene Zusammenstellung von Fundquellen und Diskussion anhand ausgewählter Beispielobjekte auf interdisziplinärer Ebene, welche das Spektrum an Aussagemöglichkeiten und Gestaltungsformen erfassen soll.